Wie arbeite ich?

Dieser Artikel geht über Zeit. Denn die hat man bei Streetphotography schlicht nicht. Ich möchte daher an dieser Stelle erklären, wie und mit welchen Einstellungen ich inzwischen Fotos schieße. Da ich das Fujifilm X-System nutze, ist der Beitrag für dieses System geschrieben. Wenn Sie ein anderes System nutzen, können Sie evtl. den einen oder anderen Tipp für Ihr System übertragen.

Meine Frau und ich besitzen aktuell zwei Fuji-Kameras: Eine X-T2 und eine X-E3. Die meisten meiner Fotos habe ich mit zwei Objektiven gemacht: Dem XF27/2.8 (Pancake) und dem XF35/2. Neuerdings habe ich auch das XF23/1.4, das ich inzwischen wegen seiner überragenden Bildqualität verstärkt nutze. Ganz selten habe ich noch das XF56/1.2 im Einsatz.

Daher habe ich zwei wesentliche Kombos: Die X-T2 mit dem XF35/2 und die X-E3 mit dem XF27/2.8. Nachstehend dazu die Bilder:

Wie gesagt nutze ich auch das XF23/1.4 verstärkt und zwar hauptsächlich mit der X-E3.

Im Endeffekt ist es ein Abwägen zwischen Größe und Bildqualität. Die X-E3 mit dem XF27/2.8 ist mein Alltagsgerät, das ich meistens in einer Tasche dabei habe. Denn für die Streetphotography gilt: Die beste Kamera ist die, die man dabei hat.

Etwa 90% meiner Fotos schieße ich aus der Hüfte und nur etwa 10% mit bewusstem Fokussieren. Jetzt könnte der eine oder andere die Nase rümpfen, dass aus der Hüfte fotografieren keine Streetphotography ist. Das Schießen aus der Hüfte hat aber für mich zwei wesentliche Gründe: Erstens sehen viele Menschen nicht die Kamera, die ich auf Hüfthöhe halte. D.h. der candid-moment ist wesentlich besser zu erreichen bei einer Hüftposition. Der entscheidende Grund ist aber für mich die Geschwindigkeit! Es dauert schlicht zu lange, bis ich die Kamera am Auge habe und sauber fokussiere.

Apropos Geschwindigkeit: Mein gesamtes System ist auf Geschwindigkeit optimiert – die schnellste Autofokus-Einstellung (dazu weiter unten) und kurze Verschlusszeiten. Denn eines ist immens wichtig, bei Streetphotography: Der entscheidende Moment ist viel zu schnell vorbei! Sie werden nie genug Zeit für das beste Foto haben.

Wenn ich in Hüftposition die Fotos schieße, dann halte ich die Kamera in einer bestimmten Art und Weise:

Auf dem Bild ist der beidseitige Griff zu sehen, normalerweise nutze ich dies aber einhändig. Ich habe einen Soft-Release-Button auf meinem Auslöser. Dies hat aber keinen modischen Grund, sondern wie im Bild ersichtlich liegt mein Daumengelenk auf dem Release-Button. Das Foto schieße ich, in dem ich das Daumengelenk nach unten drücke.

Man kann dies z.B. in dem Titelbild sehen:

(Selfie, 2018)

Oder in einem anderen Bild mit Spiegel:

(Mirrored, 2018)

Wie sind jetzt meine dauerhaften Einstellungen in der Kamera?

  • Single-Modus (S): Der Continous-Autofokus “pumpt” einfach zu oft und verbraucht dadurch Zeit.
  • Serienbild in langsamen Modus (CL) mit 4.0 Bilder pro Sekunde: Dies mache ich, weil bei schnellerem Modus zu wenig Veränderung beim Objekt passiert. Dazu auch unten noch eine Erklärung.
  • Area-Autofokus mit kleinstem Area-Feld: Ich habe in einem Artikel gelesen, dass dies der schnellste Autofokus-Modus der Fujikameras ist. Außerdem ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass der Autofokus einen Messpunkt findet.
  • Electronic-Shutter: Weil ich nicht gehört werden will. Aufpassen muss man hier wegen des Rolling-Shutter-Effects.
  • kein AF-Hilfslicht: Weil das der Gegenüber sehen würde.

Und dann gibt es die variablen Einstellungen:

  1. Bei Sonnenlicht: Auto-ISO von 200 bis 3200 und Mindestverschlusszeit von 1/500 (weil da die Verwacklungswahrscheinlichkeit am geringsten ist). Dazu Verschlusszeit auf A und Blende wird nach Objekt variiert. DR ist auf 100%.
  2. Bei normalen Licht (Standard): Auto-ISO von 200 bis 3200 und Mindestverschlusszeit von 1/60, aber DR ist erst einmal auf 200% (bei Bedarf stelle ich um). Hier ist die Verschlusszeit variabel (meist 1/500) und die Blende auf A.
  3. Wenig Licht: Auto-ISO von 400 bis 6400 und Mindestverschlusszeit von 1/60, DR ist immer auf 200%. Die Verschlusszeit ist hier auf 1/250 und die Blende auf A.

Dazu habe ich die Quick-Menü-Tasten entsprechend mit 3 Vorgabesets belegt.

Warum fotografiere ich eigentlich in Serienbildfunktion?

Im Eifer des Gefechts ist es nicht immer einfach, genau DEN entscheidenden Moment zu treffen. Bei Serienbilden kann man sich in Ruhe am iMac die Bilder ansehen und das beste aus der Serie heraussuchen. Wie auch in einem meiner besten Bilder:

Daneben hat die Serienbildfunktion noch einen weiteren Effekt: Manche Street-Situation ergeben eine Story, wenn mehrere Bilder zum Thema entstehen.

So, ich hoffe, ich konnte wieder ein paar Einblicke geben.

Fotos mit Bewegungsunschärfe

In diesem Beitrag möchte ich auf eine Technik eingehen, die ich sehr gerne verwende: Die Bewegungsunschärfe.

In anderen Artikeln hatte ich bereits einzelne Bilder mit Bewegungsunschärfe gezeigt, hier möchte ich auf mehr Details eingehen.

Wenn ich Bewegungsunschärfen fotografiere, dann ist meine Kamera in der Regel in folgenden Einstellungen: Verschlusszeit bei 1/15 oder 1/8, Blende im Automatikmodus, Auto-Iso, Serienbild und Autofokus auf Feldmessung. Die Belichtungsmessung ist bei mir grds. auf Mehrfeldmessung, so dass sich hier nichts ändert.

Wenn viel Licht vorhanden ist, z.B. bei Sonneneinstrahlung, ist zu bedenken, dass es leicht zu Überbelichtungen kommen kann. Daher ist in solchen Fällen am besten von vornherein auf den niedrigsten ISO-Wert einzustellen. Wer hat, kann natürlich dann auch einen ND-Filter verwenden.

Entscheidend ist, dass man versucht die Kamera so ruhig wie möglich zu halten. Angesichts meiner zitternden Hände ist das gar nicht so einfach. Daher kommt auch mal so was raus:

(untitled, 2018)

Wichtiger als ruhig halten, ist die Motivwahl! Sie benötigen einen fixen Punkt innerhalb eines sich bewegendes Umfeldes. Das richtige Timing sollte geübt werden.

Besonders günstig sind daher Plakate oder Schaufenster:

(Motion blur, 2018)

Ganz toll ist dies natürlich, wenn das Poster noch eine entsprechende Aussage hinsichtlich Bewegung beinhaltet:

(Hurry up, 2018)

Andere gute Motive sind stehende Menschen innerhalb einer Fußgängerzone, wie in dem schon gezeigten Bild:

(Fast cyclist, 2018)

Ein Ort, an dem ich gerne auch Bewegungsunschärfen aufnehme, ist der Bahnhof oder die U-Bahn-Station. Hier bieten sich zwei Kombinationen an: Lichter und Gänge.

Hier ein Beispiel für den Einsatz von Deckenlicht mit Bewegungsunschärfe:

(Subway lights, 2018)

Und das Beispiel für Gänge mit Menschen, die zum Zug hetzen:

(Subway station, 2018)

So, ich hoffe, ich konnte ein paar Einblicke in dieses Thema liefern.